Vegetation im Wadi el Gemal in Ägypten mit Bergen im Hintergrund

Ägypten

– Landschaft –

Landschaft in Ägypten

Die Östliche Wüste

Trockenwüsten wie die Sahara im nördlichen Afrika erhalten jährlich im Durchschnitt etwa 45 mm Niederschlag. Im Vergleich dazu verzeichnet die Östliche Wüste Ägyptens weniger als 20 mm Regen pro Jahr, was sie zu einem der trockensten Lebensräume der Erde macht.

Die Östliche Wüste ist zwar ein Teil der Sahara, unterscheidet sich jedoch in ihrer geologischen Beschaffenheit und den klimatischen Bedingungen von anderen Landschaftstypen dieser Trockenwüste. Während die zentrale Sahara im Inneren Nordafrikas liegt und für ihre weitläufigen Sanddünen bekannt ist, grenzt die Östliche Wüste an das Rote Meer und ist überwiegend von Steinen und Kies bedeckt, mit nur wenigen Sandflächen. Diese Unterschiede sind das Ergebnis ihrer unterschiedlichen geologischen Entwicklung:

Sand entsteht durch die Zerkleinerung von Gestein, das über lange Zeiträume hinweg durch Wind- und Regen-Erosion abgetragen wird, wodurch die Gesteinspartikel immer kleiner und feiner werden. Ältere Wüsten wie die Zentral-Sahara haben einen höheren Sandanteil, da die Erosion über längere Zeiträume größere Mengen Sand produziert hat. Die Östliche Wüste ist geologisch gesehen jünger, weshalb der Sandanteil geringer ausfällt, da hier der Zersetzungsprozess noch nicht so weit fortgeschritten ist.

Historische Veränderungen

Die Wüste Ägyptens hat sich über Jahrtausende hinweg stark verändert. Vor Millionen von Jahren war das Gebiet vom Meer bedeckt. Geologische Hinweise auf dieses urzeitliche Meer sind bis heute in der Wüste sichtbar.

Zur Zeit des Alten Reiches der Pharaonen (ca. 2700-2200 v. Chr.), vor vier- bis fünftausend Jahren, als die großen Pyramiden erbaut wurden, war das Land deutlich grüner. Teile der Wüste waren damals noch Savannen und Trockensteppen, in denen Herden von Antilopen und Gazellen umherzogen. Großkatzen wie Löwen und Leoparden streiften durch die Landschaft, während an den Ufern des Nils Krokodile und Nilpferde lebten.

Mit der fortschreitenden Ausbreitung der Wüste, bedingt durch klimatische Veränderungen und den Wandel des Ökosystems, zog sich die Tierwelt immer weiter in die wenigen noch fruchtbaren Gebiete zurück. Viele Tiere, die einst in Ägypten heimisch waren, wanderten weiter südlich. Bereits im Mittleren und Neuen Reich (ca. 2040-1070 v. Chr.) war die Jagd auf sie nur noch in wenigen Regionen möglich, da sich ihre Bestände stark verringert hatten. Zur römischen Zeit (ca. 30 v. Chr.-395 n. Chr.) war das Klima bereits ähnlich wie heute.

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Landschaft der Östlichen Wüste

Wadis

Das Wort Wadi stammt aus dem Arabischen und bedeutet „Tal“. Nach seltenen, längeren Regenfällen kann sich Wasser rasch auf dem trockenen Wüstenboden sammeln und saisonale, zum Teil auch größere Ströme bilden, die entweder ins Grundwasser versickern oder in die weiten Täler – Wadis – fließen, die dann vorübergehend Wasser führen. Diese temporären Gewässer bieten für Flora und Fauna lebenswichtige Wasserquellen, die in der ansonsten extrem dürren Umgebung der Wüste von großer Bedeutung sind.

Die gelegentliche Ansammlung von Wasser, auch wenn sie selten ist, führt dazu, dass die Wadis eine dichtere Vegetation aufweisen als die restliche karge, felsige Wüstenlandschaft. Daher stellen sie besonders wertvolle Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten dar. In den Wadis finden sich auch die meisten Heilpflanzen.

Das größte Wadi in der Östlichen Wüste Ägyptens ist das Wadi el Gemal, nach dem der Park benannt ist (vom Arabischen „Das Tal der Kamele“). Die Region zeichnet sich durch sehr unterschiedliche Landschaften aus und beherbergt eine bemerkenswert artenreiche Flora und Fauna. Über 140 Pflanzen- und Straucharten sind hier nachgewiesen, darunter rund 70 Heilpflanzen. Hinzu kommt eine vielfältige Tierwelt mit 45 Arten sesshafter Vögel sowie zahlreichen Reptilien und Säugetieren, von denen jeweils etwa 25 Arten vertreten sind.

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Wadi el Gemal
Vom Wasser geformte Spuren einer Sturzflut

Wenn die Wüste ins Meer fließt

In der Östlichen Wüste Ägyptens verlaufen die Wadis überwiegend von Westen nach Osten. Bei Niederschlägen fließt das Wasser entsprechend dieser Ausrichtung, begünstigt durch ein topographisches und geologisches Gefälle: Die Wadis leiten es aus den höher gelegenen Gebirgsregionen in die tiefer gelegenen Küstenebenen. Das bedeutet, dass das Wasser in den Wadis grundsätzlich in Richtung des Roten Meeres abfließt – jedoch nicht zwangsläufig bis dorthin gelangt. Häufig versickert es im Untergrund oder verdunstet, bevor es die Küste erreicht. Nur bei stärkeren oder länger anhaltenden Regenfällen kann das Wasser bis in Küstennähe oder vereinzelt bis ins Meer vordringen. In solchen Fällen transportiert es auch geringe Mengen an Süßwasser sowie Nährstoffe und Sedimente, also feine Partikel aus Gestein oder organischem Material, die sich am Meeresboden ablagern.

Sturzfluten

Bei außergewöhnlich starken Regenfällen, die temporäre Sturzfluten in den Wadis auslösen – wie zuletzt 2024 -, kann das Wasser jedoch große Mengen an Schlamm sowie feinkörnigen Sand- und Tonpartikeln mit sich führen. Gelangen diese Sedimente in die Küstengewässer, können sie insbesondere Korallenriffe erheblich beeinträchtigen. Sie trüben das Wasser, verringern die Lichtverfügbarkeit und lagern sich direkt auf den Korallen ab, wodurch diese regelrecht ersticken. Zudem verbrauchen Mikroorganismen bei der Zersetzung organischer Bestandteile im Schlamm lokal Sauerstoff, wodurch dessen Konzentration im Wasser abnimmt. Dies gefährdet das Wachstum, die Vitalität und langfristig das Überleben der Korallenriffe und wirkt sich indirekt auch auf die im Riff lebenden Fische aus, selbst wenn einzelne Arten kurzfristig von mehr Nährstoffen aus dem Schlamm und Süßwasser profitieren können. Aus diesem Grund gedeihen Korallenriffe am besten in flachen, tropischen Küstengewässern, fernab großer Flüsse.

Korallenriffe im Roten Meer sind gegenüber massiven Sedimenteinträgen besonders empfindlich, da sie an klare, nährstoffarme Bedingungen angepasst sind. Wir konnten selbst beobachten, welche Folgen solche Sturzfluten haben können: Sowohl in der Wüste als auch im Meer hinterließen sie deutliche Spuren. Im Vergleich der Zeitpunkte August 2023 und November 2025 zeigte sich an den Korallen eine sichtbare Veränderung von Farbe und Vitalität – die Korallenbleiche hatte sich merklich ausgedehnt und wurde zusätzlich durch steigende Wassertemperaturen verstärkt.

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Korallenriffe

Ein Korallenriff ist das marine Gegenstück zu einem tropischen Regenwald und das artenreichste Ökosystem der Erde, das eine große Vielfalt an Tieren und Pflanzen beherbergt. Es handelt sich um eine strukturelle Formation im Meer, die überwiegend aus lebenden Organismen oder deren kalkhaltigen Skeletten besteht. Hohe Wassertemperaturen und relativ stabile Bedingungen über das ganze Jahr hinweg bieten genügend Ressourcen, damit Organismen im komplexen Riff wachsen, sich ernähren und gedeihen können. Mehr als in jedem anderen marinen Ökosystem finden zahlreiche Arten hier Möglichkeiten, Nahrung zu suchen, sich fortzupflanzen und ihre eigene lebenswichtige Nische zu besetzen.

Das Rote Meer beherbergt eines der größten, vielfältigsten und am besten erhaltenen Riffe der Welt. Ägypten liegt am nördlichen Tropenrand, und das Riff von Wadi el Gemal ist ein typisches Saumriff: Es verläuft unmittelbar entlang der Küste, trennt diese in einer Entfernung von wenigen Metern bis zu über hundert Metern vom offenen Meer und bildet stellenweise natürliche Lagunen mit sandigem Untergrund. Der Rand des Riffkörpers fällt vom flachen Küstenbereich auf Tiefen von etwa 4 bis 30 Metern ab.

Aufbau und Funktion

Das Riff von Wadi el-Gemal besteht aus Steinkorallen, wie etwa den weit verbreiteten Acroporen, die aus zahlreichen einzelnen Polypen bestehen – kleinen wirbellosen Tieren, die pflanzenähnlich wirken, aber mit Quallen verwandt sind (Nesseltiere). Riffe entstehen durch riesige Kolonien dieser Polypen, die Calcium- und Carbonat-Ionen aus dem Meerwasser aufnehmen und zu festem Kalk verbinden, der direkt am Körper der Polypen eingelagert wird und so das kalkhaltige Skelett des Riffs bildet. Auf diesem wachsenden Kalkgerüst siedeln weitere Organismen wie Weichkorallen, Schwämme und Moostierchen (Bryozoa), die gemeinsam das eigentliche Riff bilden.

Im schützenden Gewebe der Polypen leben einzellige Algen, die Zooxanthellen. Sie sind mit bloßem Auge nicht sichtbar; ihre Anwesenheit erkennt man nur an der Farbe der Koralle, die durch die Pigmente der Algen entsteht.

Algen erzeugen durch Photosynthese organisches Material, von dem sich die Korallen ernähren. Dabei nutzen sie Sonnenlicht, Wasser und Kohlendioxid (CO₂), um Glukose (Zucker) zu produzieren und dabei Sauerstoff freizusetzen. Bei Nacht dagegen strecken die Korallen ihre Tentakel aus, um schwebende Nahrungspartikel einzufangen. Auf diese Weise verhalten sich Korallen tagsüber wie Pflanzen (durch die Photosynthese der Algen) und nachts wie Tiere (durch aktive Nahrungsaufnahme).

Tropische Riffe entstehen folglich durch die enge Zusammenarbeit zweier Organismen: Korallen und Algen. Diese Symbiose gehört zu den wichtigsten auf unserem Planeten und erklärt sowohl die räumliche Ausbreitung der Korallenriffe als auch ihre hohe Wachstumsrate, die in einigen Fällen auf bis zu 10 cm pro Jahr geschätzt wird.

Korallenriffe bedecken weniger als 1 % der Ozeanflächen, sind jedoch Heimat oder Nahrungsquelle für mindestens 20 % aller Meeresorganismen. Aufgrund ihrer komplexen Struktur und der Symbiose zwischen Polypen und Algen weisen Korallenriffe eine besonders hohe Artenvielfalt auf und spielen eine entscheidende Rolle im ökologischen Gleichgewicht tropischer Meere.

Gesunde Korallenriffe

Korallenriffe sind dynamische Ökosysteme, die sich ständig verändern. Sterben Korallen ab, wachsen neue über ihnen und versuchen, innerhalb der für ihre Art optimalen Wassertiefe zu bleiben. Ein gesundes Korallenriff benötigt drei grundlegende Bedingungen:

  • Viel Sonnenlicht: Damit die in den Korallen lebenden Algen (Zooxanthellen) Photosynthese betreiben können
  • Hohe, aber stabile Wassertemperaturen (unter 30 °C): Diese unterstützen das schnelle Wachstum der Korallenpolypen
  • Klares Wasser: Frei von Sedimenten, die das Sonnenlicht blockieren oder die Korallen schädigen, indem sie teilweise ins Gewebe eindringen und dadurch die Sauerstoffaufnahme sowie Nährstoffversorgung erschweren

Korallen sind auf ausreichend gelösten Sauerstoff im Wasser angewiesen, um sowohl ihre eigenen Lebensfunktionen als auch die ihrer symbiotischen Algen aufrechtzuerhalten:

Sauerstoff für das Korallenpolyp-Gewebe:
Korallen sind Tiere (Polypen) und nehmen Sauerstoff direkt aus dem umgebenden Wasser auf, um ihre zellulären Stoffwechselprozesse aufrechtzuerhalten. Ein Mangel an Sauerstoff (Hypoxie) kann die Polypen stressen, ihr Wachstum hemmen oder im Extremfall zum Absterben führen.

Sauerstoff für die symbiotischen Algen (Zooxanthellen):
Korallen beherbergen Algen, die Photosynthese betreiben. Bei Tageslicht produzieren diese Algen Sauerstoff, während sie bei Nacht selbst Sauerstoff für die Zellatmung benötigen. Ein geringer Sauerstoffgehalt im Wasser kann daher auch die Algen belasten, was indirekt die Koralle schwächt.

Korallenbleiche

Eine der größten Bedrohungen für ein gesundes Riff ist die Korallenbleiche. Steigen die Wassertemperaturen über den normalen Bereich, geraten die Polypen unter Stress und stoßen ihre symbiotischen Algen – die Zooxanthellen – aus ihrem Gewebe aus. Ohne diese Algen fehlen ihnen jedoch die lebenswichtigen Nährstoffe, die normalerweise durch Photosynthese bereitgestellt werden. Auch die Farbe der Koralle, die durch die Pigmente der Algen entsteht, verschwindet. Die Korallen erscheinen nun weiß, da nur noch ihr kalkhaltiges Skelett sichtbar ist.

Die Stressreaktion der Korallen dient aus biologischer Sicht zunächst als Schutzmechanismus, auch wenn es langfristig für die Koralle gefährlich werden kann. Unter verbesserten Bedingungen, wenn sich die Wassertemperatur wieder stabilisiert, können die Polypen neue Algen aufnehmen und sich erholen; bei anhaltendem Stress sterben sie jedoch ab, wodurch die Korallenbleiche verstärkt wird.

Hohe Temperaturen erhöhen zudem die Anfälligkeit der Korallen für Krankheiten. Bestimmte Bakterien können sich unter diesen Bedingungen schneller vermehren und die geschwächten Korallen zusätzlich schädigen.

Korallen werden auch durch menschliche Aktivitäten wie Überfischung, Überdüngung, Küstenbebauung, übermäßigen Tourismus und Verschmutzung bedroht, die das Riff zerstören oder seine Erholung verhindern.

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Korallenriff des Wadi el Gemal

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