





- Natur pur in Ägypten
- Wadi el Gemal – Das Tal der Kamele
- Rotes Meer – Entstehung und Besonderheiten
- Nördlichste Korallenriffe der Welt
- Ababda-Beduinen
Ägypten – Wadi el Gemal & Rotes Meer

Natur pur in Ägypten
Abseits der klassischen Urlaubsregionen in Ägypten haben wir uns bewusst auf den langen Weg in die Stille des Nationalparks Wadi el Gemal südlich von Marsa Alam gemacht. Einmal im August, einmal im November – jeder Aufenthalt hatte seinen eigenen Reiz. Das Licht veränderte die Atmosphäre, andere Tiere zeigten sich, saisonale Pflanzen prägten das Bild, und jede Jahreszeit eröffnete neue Aktivitäten. Eine Erkundung der Wüste mit dem Fahrrad wäre in der Augusthitze beispielsweise nicht möglich gewesen. Doch auch die Schattenseiten wurden sichtbar: Innerhalb von nur zwei Jahren konnten wir spürbare Veränderungen am Korallenriff und in der Landschaft beobachten.

Wadi el Gemal – Das Tal der Kamele
Noch immer zählt das Wadi el Gemal zu den weniger bekannten und besuchten Regionen Ägyptens. Der Name bedeutet aus dem Arabischen übersetzt „Tal der Kamele“ – und beschreibt nur ansatzweise die außergewöhnliche Vielfalt dieses Gebiets. Aufgrund seiner zahlreichen Ökosysteme, seiner beeindruckenden Naturlandschaften und bedeutenden archäologischen Fundstätten, darunter die ältesten bekannten Smaragdminen der Welt, gilt das Wadi el Gemal als eines der faszinierendsten Gebiete des Landes.
Das Wadi el Gemal liegt rund 45 Kilometer südlich von Marsa Alam und ist eines der größten Täler der Östlichen Wüste, des ägyptischen Teils der Arabischen Wüste zwischen Niltal und Rotem Meer. Geologisch betrachtet handelt es sich um das ausgetrocknete Flussbett eines einst mächtigen Stroms, der vor etwa 15.000 Jahren in den westlich gelegenen Hochgebirgen entsprang. Sein Ursprung lag am Gebel Hamata, mit 1.975 Metern der höchste Berg der Region. Gespeist von rund 20 Nebenflüssen formte der Fluss ein weit verzweigtes Netz von Nebentälern, bevor er schließlich ins Rote Meer mündete.
Aufgrund seiner außergewöhnlichen ökologischen und landschaftlichen Bedeutung wurde das Wadi el Gemal im Jahr 2003 zum Nationalpark erklärt. Der Schutzpark umfasst einen Landbereich von 4.770 Quadratkilometern sowie einen Meeresbereich von rund 2.000 Quadratkilometern. Entlang der etwa 120 Kilometer langen Küste erstrecken sich artenreiche Mangrovenwälder, die häufig direkt an vorgelagerte Korallenriffe grenzen – ein in Ägypten seltenes Zusammenspiel von Wüsten- und Meeres-Ökosystemen.
Rotes Meer – Entstehung und Besonderheiten
Das Rote Meer entstand durch das Auseinanderdriften der Afrikanischen und Arabischen Kontinentalplatten, wodurch ein tiefer Grabenbruch entstand, der sich vom Jordantal bis nach Ostafrika zieht. Noch heute driften die Platten auseinander, wodurch das Meer jedes Jahr minimal breiter wird.
Seine Form ist geprägt von dieser Entstehung: schmal, lang und tief. Über 2.200 Kilometer erstreckt es sich, meist zwischen 250 und 350 Kilometern breit, mit Tiefen von über drei Kilometern. Am südlichen Ende verengt es sich auf knapp 30 Kilometer und ist nur rund 130 Meter tief. Dadurch gelangt nur wenig Wasser aus dem Indischen Ozean ins Rote Meer.
Das Rote Meer liegt inmitten ausgedehnter Wüsten, wodurch die Verdunstung besonders hoch ist. Es ist zudem das einzige Meer der Welt, in das keine ganzjährig wasserführenden Flüsse münden. Lediglich die Wadis – ausgetrocknete Täler, die nach längeren Regenfällen kurzzeitig Wasser führen – bringen etwas Süßwasser ins Meer. Diese Bedingungen sorgen für einen besonders hohen Salzgehalt von bis zu 42 Promille und für außergewöhnlich klares Wasser mit großer Sichtweite, da nur wenige Nährstoffe oder Sedimente – winzige Teilchen von Gestein oder organischem Material, die Flüsse normalerweise mitführen und ablagern – ins Meer gelangen.

Nördlichste Korallenriffe der Welt
Das Rote Meer gehört zu den nördlichsten Korallenriffen der Welt, neben einigen Riffen in Südjapan. Damit die Korallen gedeihen, darf die Wassertemperatur selbst im kältesten Monat nicht unter 20 Grad fallen. Stetige Winde entlang des Roten Meeres sorgen für eine ständige Umwälzung des Wassers, sodass selbst in Tiefen von über 1.000 Metern noch vergleichsweise warme Temperaturen herrschen.
Charakteristisch für das Rote Meer sind die mächtigen Saumriffe, die wenige Meter bis mehrere Kilometer vor der Küste verlaufen und steil abfallen. Daneben gibt es isolierte Korallenriffe, die flach im Meer liegen oder aus großen Tiefen aufsteigen, wie das bekannte Elphinston-Riff.
Jenseits der sandigen Küsten des Wadi el Gemal erstreckt sich ein beeindruckendes Korallenriff mit mehreren parallel zur Küste verlaufenden Formationen. Es beherbergt mehr als 100 Fischarten sowie Meeressäuger wie Delfine und Dugongs und befindet sich noch in einem relativ guten Zustand – dennoch sind bereits erste Veränderungen spürbar.
Aufgrund der Länge des Roten Meeres ist die Verbreitung einzelner Arten oft ungleichmäßig: Arten, die im Süden häufig sind, treten im Norden nur selten oder gar nicht auf, während andere Arten genau umgekehrt vorkommen.


Ababda-Beduinen
Das Wadi el Gemal ist nicht nur Lebensraum für eine erstaunliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren, sondern auch Heimat eines Volkes, das seit Jahrhunderten in diesem Gebiet verwurzelt und eng mit ihm verbunden ist: der Ababda, auch als Ababda-Beduinen bekannt. Beduinen sind traditionell nomadische oder halbnomadische Völker, die vor allem in den Wüsten des Nahen Ostens und Nordafrikas beheimatet sind. Heute leben über 2.000 Mitglieder dieses Stammes im und rund um den Nationalpark.
Die Ababda gelten als ausgewiesene Kenner der Östlichen Wüste Ägyptens. Ihr Wissen über Wasserstellen, Tierwanderungen, Pflanzen und alte Karawanenrouten ist ein wesentlicher Bestandteil des kulturellen Erbes dieser Landschaft.





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