





Essen & Trinken im Wadi el Gemal

Achtsamkeit wiederentdecken
Indem Ressourcen sparsam genutzt, Verschwendung vermieden und Nahrung an Bedarf und Verfügbarkeit angepasst wird, zeigt sich ein traditionell achtsamer Umgang mit Essen und Trinken. Die Menschen vor Ort erinnerten uns an im Alltag fast vergessene Sicht- und Herangehensweisen, etwa an die langsame und bewusste Zubereitung von Getränken und Speisen.

Al-Jabanah-Kaffeezeremonie
Wenn das Feuer leise knistert und sich der Duft frisch gerösteter Bohnen mit trockener Wüstenluft mischt, beginnt bei den Ababda ein Ritual, das Zeit und Aufmerksamkeit verlangt. In ihren provisorischen Unterkünften, die aus Akazienzweigen und geflochtenen Palmblättern (Borsh) errichtet werden, servieren sie ihren Gästen Tee (shai) und vor allem eine besondere Art von Kaffee.
Dieses traditionelle Getränk, Al-Jabanah genannt, wird zu jeder Tageszeit getrunken und ist fester Bestandteil der ausgeprägten Gastfreundschaft des Stammes. Jede Zusammenkunft bietet Anlass für eine Kaffeezeremonie. Die Zubereitung folgt einem bewusst langsamen Ablauf: Zunächst werden die Kaffeebohnen über einer offenen Feuerstelle geröstet und anschließend in einem kleinen Mörser sorgfältig zerstoßen. Das so gewonnene Pulver wird zusammen mit Ingwer und gelegentlich weiteren Kräutern und Gewürzen in einem speziellen, langhalsigen Gefäß – der sogenannten Jabanah – mit Wasser aufgekocht.
Die Kanne besteht je nach Verfügbarkeit aus Ton oder Aluminium und wird traditionell über einem Feuer aus vertrockneten Zweigen von Sträuchern erhitzt. Am Ende des Ausgusses befindet sich ein Filter aus Pflanzenfasern, der das Kaffeepulver zurückhält. Der Kaffee wird in der Regel dreimal in sehr kleinen Porzellantassen serviert, die noch kleiner sind als Espressotassen.
Die lange Zubereitungszeit schafft Raum für Gespräche über Familie, Handel und Alltägliches sowie für den ruhigen Austausch mit Gästen. Wer an einer solchen Zeremonie teilnimmt, erlebt weit mehr als bloßes Kaffeetrinken: In einer respektvollen, gelassenen Atmosphäre wird der Kaffee bedächtig gereicht – ein Ritual, das Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt. Die Ruhe der Ababda wirkt dabei ansteckend, und wir verließen die Runde tief entspannt. Und ganz nebenbei: Der Kaffee ist ausgezeichnet!
Traditionelle Ernährung
Die Sträucher der Wüste liefern nicht nur das Brennmaterial für die Kaffeezubereitung, sondern auch für das Backen des traditionellen Brotes der Ababda, Gabori genannt, das zusammen mit Ziegenfleisch lange Zeit die wichtigste Nahrungsgrundlage bildete. Die Sträucher müssen bereits ausgetrocknet sein – kein Ababda würde jemals einen Ast von einem lebenden Strauch oder Baum abbrechen. Pflanzen dienen als Nahrung für Tiere, spenden Schatten oder werden als natürliche Heilmittel genutzt und genießen besonderen Respekt.
Das Brot wird hergestellt, indem der Teig aus Mehl, Wasser und Salz entweder auf heiße Asche (gelegentlich auf einen Feuerrost über der Glut) gelegt oder in den zuvor erhitzten Sand eingegraben wird. Konkret geschieht dies folgendermaßen: Zunächst wird trockenes Holz, meist abgestorbene Akazienzweige, Sträucher oder Dattelkerne, auf dem Sand entzündet. Das Feuer brennt so lange, bis sich der darunterliegende Sand stark aufgeheizt hat. Anschließend lässt man die Flammen erlöschen oder zieht die Glut zur Seite. Die heiße Asche oder die gespeicherte Wärme im Sand bilden dann die eigentliche Backfläche. Auf diese Weise gart das Brot gleichmäßig durch die gespeicherte Hitze. Diese Technik ist energiesparend, benötigt kaum Brennmaterial und eignet sich ideal für mobile Lebensweisen in der Wüste. Sie ist zudem weit verbreitet bei nomadischen und halbnomadischen Bewohnern von trockenen Wüstenregionen.
Vor dem zunehmenden Zugang zu Weizenmehl gab es bei den Ababda Brotsorten aus Mais, die heute kaum noch zubereitet werden, etwa Redaf, das auf erhitzten Steinen gebacken wurde, sowie Douka, ein kleines Gebäck, das auf einer dicken Metallplatte über dem Feuer enstand.
Weitere typische Gerichte sind Sala’at, gegrilltes Fleisch, das auf heißen Steinen gegart wird, Al-Sa’an, ein Joghurtgericht, sowie ein einfacher Brei aus heißem Wasser, Salz, Milch, Mehl und geklärter Butter.
Traditionell aßen die Ababda ausschließlich dann, wenn sie Hunger verspürten, ohne feste Essenszeiten. Für die an der Küste lebenden Ababda ist Fisch inzwischen zur täglichen Nahrungsquelle geworden. Schafs- und Kamelfleisch wird meist nur noch zu besonderen Anlässen wie Festen oder Hochzeiten verzehrt. Ergänzt wird die Ernährung häufig durch Linsensuppen, Reis, Gemüse und Früchte – stets begleitet von frischem Brot.






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