Akazie (Acacia tortilis subsp. raddiana) im Wadi el Gemal in der ägyptischen Wüste, mit schirmförmiger Krone in karger, steiniger Landschaft

Ägypten

– Pflanzenwelt –

Pflanzenwelt in Ägypten

Duftende Blüte der Acacia tortilis tortilis

Pflanzenleben in der Wüste

Die Region des Wadi el Gemal beeindruckt durch ihre vielfältigen Landschaften und unterschiedlichen Ökosysteme. Die Pflanzenwelt des Nationalparks gehört zu den reichhaltigsten der Arabischen Wüste und umfasst 140 Pflanzen- und Straucharten. Besonders eindrucksvoll ist, wie sich die Pflanzen an die extremen Bedingungen der Wüste und Küste angepasst haben: Während tiefwurzelnde Sträucher und Bäume das in unterirdischen Kanälen und Sedimenten gespeicherte Wasser nutzen können, sind andere Arten auf die kurzzeitig verfügbare Feuchtigkeit nach seltenen Regenfällen angewiesen.

Heilpflanzen

In Ägypten werden über 340 Heilpflanzen aus der Natur gesammelt; allein im Wadi el Gemal gedeihen 70 Arten, die als wertvolle Quellen für Naturheilmittel dienen. Gegenwärtig werden jedoch nur etwa 30 dieser Pflanzen von der lokalen Bevölkerung aktiv genutzt. Die traditionelle Verwendung umfasst dabei verschiedene Pflanzenteile zur Behandlung zahlreicher Krankheiten. Dieses Wissen wird seit Generationen mündlich weitergegeben, wird jedoch durch Modernisierung und Abwanderung zunehmend bedroht. Ein Verlust dieser Kenntnisse würde nicht nur wertvolles kulturelles Erbe gefährden, sondern auch wichtige medizinische Ressourcen, da viele moderne Arzneimittel auf traditionellen Anwendungen basieren.

Wertvoll für Mensch und Tier

Die Pflanzen sind für die lokalen Beduinen von unschätzbarem Wert. Sie dienen der Gesundheit und prägen den gesamten Alltag: als Futter für Dromedare, Schafe und Ziegen, als Brennmaterial zum Kochen oder für die Zubereitung traditioneller Getränke wie Tee und Kaffee, zur Herstellung von Gerätschaften und teilweise als Nahrungsmittel. Darüber hinaus bilden sie eine wichtige Grundlage für die Honigproduktion. Jede Pflanze ist den Beduinen sehr gut bekannt, und jede hat ihren eigenen Namen, den wir hier ebenfalls angeben.

Wir werden nie vergessen, wie wir einmal einen recht unscheinbaren Stock aus der Wüste mitbrachten und einen älteren Beduinen – ganz ohne große Erwartungen – fragten, ob er wisse, um was es sich handle. Seine Antwort kam prompt und bestätigte sich tatsächlich: Es war ein Arak-Zweig.

Wenn wir das nächste Mal durch das faszinierende Wadi el Gemal streifen, werden wir wieder einige Momente innehalten, die unbeschreibliche Stille genießen und die trockene, doch auf den zweiten Blick lebendige Wüste bewundern – Pflanzen, die oft übersehen werden, für Menschen und Tiere dieser Region jedoch unverzichtbar sind.

Für die umfassenden Informationen zur Pflanzenwelt in Ägypten danken wir dem Biologen Ahmed Tolba und der Abu Ghosoun Community Development Association (AGCDA).

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Akazien

Zu den häufigsten Bäumen im Wadi El Gemal Nationalpark gehören Wüstenakazien. In der Region treten sie als Acacia tortilis in zwei Unterarten auf: Acacia tortilis tortilis mit der charakteristischen Schirmform und Acacia tortilis raddiana, die sich durch einen einzelnen Stamm von der ersten Unterart unterscheidet.

Akazien sind die wichtigsten Bäume der gesamten Arabischen Wüste. Sie dienen als Weidepflanzen für Tiere – besonders Dromedare lieben sie – und bieten während längerer Trockenzeiten Futter, wenn andere Quellen knapp sind. Akazien benötigen nur sehr wenig Wasser, nutzen die Luftfeuchtigkeit und können daher auch an Standorten überleben, an denen kein anderer Baum gedeiht. Gleichzeitig spenden sie Schatten und liefern Baumaterial, Holzkohle sowie Brennholz für die Beduinen.

Acacia tortilis tortilis

Acacia tortilis tortilis, lokal als Samur bekannt, ist ein mittelgroßer, schirmförmiger Baum, der oft mehrere Stämme an der Basis ausbildet. Besonders auffällig ist seine weit ausladende, schirmförmige Krone, unter der einige der schmackhaftesten Grasarten gedeihen. Unter extrem trockenen Bedingungen wächst diese Art als kleiner, drahtiger Strauch, zeigt insgesamt jedoch eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber Dürre und salzhaltigen Böden.

Der Baum trägt zwei Dorntypen – lange, gerade Dornen und kürzere, hakenförmige – sowie weiße bis blassgelbe, duftende Blüten, die runde Köpfchen bilden. Er produziert besonders viele Blüten, die reich an Pollen und Nektar sind und intensiv von Bienen besucht werden. Daraus entsteht ein dunkler, sortenreiner Honig mit warmem, karamellisiertem Aroma und krautigen Noten. Die süß schmeckenden Blüten werden auch von Einheimischen gegessen. Später entwickeln sich die Blüten zu spiralförmig gedrehten, behaarten Schoten, die mehrere harte Samen enthalten.

Acacia tortilis raddiana

Lokal als Sayyal bekannt, wächst Acacia tortilis raddiana zu imposanten Wüstenbäumen heran. Im Gegensatz zur ersten Unterart besitzt diese Akazie nur einen einzelnen Stamm, der bei älteren Bäumen einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen kann.

Junge Bäume haben eine unregelmäßige Krone, während ältere eine breite, abgerundete, schirmförmige Krone ausbilden. In ausgeprägten Trockenzeiten kann der Baum seine Blätter abwerfen. Die Rinde ist rötlich, die Dornen sind kräftig, lang und spitz, und die weißlich-gelben Blüten stehen in Köpfchen; gelegentlich blüht die Art sogar zweimal im Jahr. Im Unterschied zu den behaarten Schoten der Acacia tortilis tortilis sind die spiralförmig gedrehten Hülsenfrüchte der Acacia tortilis raddiana unbehaart.

Das Harz des Baumes wird traditionell zur Behandlung von Magenübersäuerung, Gelbsucht und Augenentzündungen genutzt. Außerdem wird das daraus gewonnene Gummi in vielen Industrien eingesetzt, vor allem in der Lebensmittelproduktion.

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Akazie (Acacia tortilis subsp. raddiana) im Wadi el Gemal in der ägyptischen Wüste, mit schirmförmiger Krone in karger, steiniger Landschaft
Acacia tortilis raddiana
Alexandrinische Senna

Alexandrinische Senna

Zu den wichtigsten Heilpflanzen der Wüste gehört die Alexandrinische Senna (Senna alexandrina), lokal als Sana abbali bekannt, die mit ihren leuchtend gelben Blüten schon von Weitem ins Auge fällt. Ihre getrockneten und abgekochten Blätter werden seit Jahrhunderten als wirksames Abführmittel eingesetzt und sind fester Bestandteil der traditionellen Medizin der Region. Aufgrund ihrer intensiven Wirkung auf die Darmtätigkeit wird die Pflanze jedoch mit großer Sorgfalt dosiert – ein Wissen, das von den Beduinen über Generationen hinweg weitergegeben wurde.

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Arabischer Ampfer

Arabischer Ampfer (Rumex vesicarius), auch bekannt als Blasen-Knöterich, ist eine einjährige Pflanze mit essbaren, saftigen Blättern, die ein feines, leicht säuerliches Aroma haben und reich an Mineralstoffen und Antioxidantien, aber auch an Oxalsäure sind – so wie auch der uns bekannte Sauerampfer.

Die rohen Blätter regen den Appetit an und können als Blattgemüse verzehrt werden. Sie helfen bei Verstopfung, Übelkeit und allgemeinen Verdauungsproblemen. Der Pflanzensaft wird außerdem zur Linderung von Zahnschmerzen eingesetzt. Die Samen besitzen kühlende Eigenschaften und werden geröstet gegessen, um schwere Darminfektionen zu behandeln.

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Arabischer Ampfer
Früchte der Dattelpalme (Phoenix dactylifera) vor einem weißen Gebäude im ägyptischen Stil, Nahaufnahme mit hängenden Dattelrispen
Früchte der Dattelpalme

Dattelpalme

Die Dattelpalme (Phoenix dactylifera), lokal als Nakhl bekannt, wird nicht nur für ihre süßen, nahrhaften Früchte geschätzt, die im Spätsommer bis Herbst geerntet werden, sondern liefert auch wertvolle Fasern aus Blättern und Blattstielen. Die Fasern werden vor allem in Nordafrika und dem Nahen Osten genutzt und dienen traditionell der Herstellung von Matten und einfachen Teppichen. Durch ihre Robustheit eignen sich die Fasern besonders für langlebige Produkte des täglichen Gebrauchs.

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Lycium shawii

Lycium shawii ist ein rundlicher, stark verzweigter und bedornter Strauch, der lokal als Sahanun bekannt ist. Er wächst in steinigen Wüstengebieten und Wadis. Die Triebe sind kurz und enden in Dornen; an ihnen sitzen Büschel aus Blättern, meist begleitet von jeweils einer Blüte. Die Blüten sind blassviolett, die Früchte orange-rot. Häufig wird die Pflanze durch Weidetiere stark zurückgebissen und wirkt dann verkümmert; gut entwickelte Exemplare finden sich vor allem dort, wo sie zwischen den schützenden Zweigen von Akazien wachsen. Bemerkenswert ist ihr sehr schnelles Wachstum nach der Regenzeit.

Es handelt sich um eine wichtige Weidepflanze, doch die Hüter achten darauf, bestimmte Zeiten zu meiden, in denen sie für Ziegen tödlich sein kann – besonders nach Regenfällen, weil die jungen Triebe und Blätter giftige Stoffe in hoher Konzentration enthalten. Für medizinische Zwecke werden die Wurzeln abgekocht, und der Sud wird innerlich gegen Mundgeschwüre und Husten eingesetzt. Äußerlich angewendet lindert er Rückenschmerzen und wurde zur Waschung von Polio-Patienten genutzt; bei Vieh heilt er Zeckenfieber.

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Lycium shawii
Graue Mangroven (Avicennia marina) an der Küste des Wadi el Gemal Nationalparks in Ägypten
Graue Mangroven

Mangroven

Eine Besonderheit der Küsten des Wadi el Gemal-Nationalparks ist die außergewöhnlich große Verbreitung von Mangrovenwäldern. Neben der Insel Wadi El Gemal gehört insbesondere das Gebiet Ras Qulan-Hamata zu den bedeutendsten Standorten, da sich hier der größte Mangrovenwald des Roten Meeres auf ägyptischem Staatsgebiet befindet.

Mangrovenwälder sind typische Küstenwälder der Tropen und Subtropen. Sie bilden ein einzigartiges Ökosystem, das eng mit den Korallenriffen verbunden ist, da Mangrovensümpfe eine wertvolle Kinderstube für zahlreiche Meeresbewohner wie Fische und wirbellose Tiere darstellen. Zudem geben sie große Mengen organischer Stoffe an das umgebende Meerwasser ab, die vielen marinen Lebewesen als Nahrung dienen. Nicht zuletzt bieten sie zahlreichen Vogelarten Brut- und Rastplätze.

Weltweit gibt es etwa 80 bis 90 Mangrovenarten, die zu verschiedenen Pflanzengattungen gehören. Die Graue Mangrove ist die häufigste Mangrovenart und kommt in vielen Regionen von Afrika über den Nahen Osten bis nach Australien vor.

Graue Mangrove

Die Graue Mangrove (Avicennia marina), lokal als Shura oder Manjaruf bekannt, ist eine immergrüne, mehrjährige Pflanze, die ein bis vier Meter hoch wird. Die Blätter sind oberseits glänzend grün und unterseits hell behaart. Sie dienen auch als Futter für Dromedare.

Sie wächst in der Gezeitenzone zwischen Festland und Meer auf weichem Untergrund aus Schlamm und Sand, der regelmäßig von Ebbe und Flut beeinflusst wird. Charakteristisch ist ihr weit verzweigtes Wurzelwerk mit senkrecht aus dem Boden wie Finger ragenden Stelz- oder Atemwurzeln, den sogenannten Pneumatophoren, die etwa 20 bis 30 Zentimeter hoch werden. Über diese Wurzeln nimmt die Mangrove Sauerstoff aus der Luft auf. Die unterirdischen Hauptwurzeln hingegen filtern das Meerwasser und können bis zu 90 Prozent des Salzes entfernen, das anschließend über die Blätter ausgeschieden wird und dort oft als Salzkristalle sichtbar ist. Gleichzeitig stabilisieren die Wurzeln den Untergrund und schützen die sandigen Küsten wirksam vor Erosion.

Die Blüten der Grauen Mangrove sind orangefarben und blühen über einen langen Zeitraum: Erste Blüten zeigen sich bereits im Februar, die Hauptblüte fällt in die Monate Juli und August. Die Blüten werden intensiv von Bienen besucht, die daraus einen sortenreinen Mangrovenhonig herstellen. Dieser Honig ist dunkel, nur leicht süß und zeichnet sich durch leicht salzige sowie karamellisierte und würzige Aromen aus, die an Lakritz erinnern.

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Oscher

In der Wüste gibt es wirklich wunderschön blühende Pflanzen: Die weiß-violetten Blüten des Oscher (Calotropis procera) haben uns besonders beeindruckt.

Die Ababda nutzen ein Pulver aus verbrannten Blättern zur Behandlung von Hautblasen, Abszessen und Hämorrhoiden. Außerdem wird die Pflanze traditionell zur Linderung von Zahnproblemen und Zahnschmerzen eingesetzt. Vorsicht ist jedoch geboten: Der milchige Latexsaft kann bei unbeabsichtigtem Kontakt schwere Augenverletzungen verursachen und sogar zur Erblindung führen. Interessant ist, dass ihre Frucht als Sodomsapfel bezeichnet wird. Der Name deutet darauf hin, dass die Pflanze äußerlich attraktiv und harmlos wirkt, innerlich jedoch giftig und gefährlich sein kann – ähnlich wie die mythische Stadt Sodom in der Bibel.

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Früchte des Oscher
Pulicaria incisa

Pulicaria

Arten der Gattung Pulicaria sind typische Pflanzen der Wüstenflora. Sie sind sowohl ökologisch als auch kulturell bedeutsam, da sie Nahrung für Tiere liefern, medizinisch genutzt und für aromatische Tees geschätzt werden.

Pulicaria incisa (lokal Rabul oder Shay al-jabal) wächst als kurzlebige, krautige Pflanze, während Pulicaria undulata (lokal Jitya) oft kissenförmige Sträucher bildet. Beide sind wollig behaart. Ihre gelben Blüten erscheinen nach Regenfällen.

Pulicaria wird als Weidepflanze geschätzt, besonders wenn andere Futterpflanzen rar sind. Sie wird auch medizinisch genutzt: Der Rauch verbrannter Pulicaria undulata wird zur Behandlung von Masern eingesetzt und dient außerdem als Insektenschutz; die Pflanze weist zudem antibakterielle Eigenschaften auf. Die Blätter beider Arten enthalten ätherische Öle mit charakteristischem Aroma. Aus Pulicaria incisa wird Tee (Shay al-jabal, „Tee des Berges“) zubereitet, der anregend wirkt und Blähungen lindert; sie liefert zudem gesunde Pflanzenfette und Antioxidantien.

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Salvadora persica

Typisch für die Flora des Wadi el Gemal ist die weite Verbreitung eines besonderen Strauchs, Salvadora persica, den die Einheimischen Arak oder Siwak nennen. Unter günstigen Bedingungen mit ausreichend Wasser kann er zu einem kleinen Baum heranwachsen und ist auch als Zahnbürstenbaum bekannt.

Entlang des Wadi bildet er charakteristische, fast undurchdringliche grüne Inseln, in denen sich oftmals Schlangen verstecken. Tiere wie Kaninchen, Ziegen, Schafe und Vögel fressen die Blätter und jungen Triebe meist nur in Maßen, da sie Bitterstoffe und Saponine enthalten.

Die Früchte des Arak sind essbar; getrocknet wirken sie harntreibend und helfen bei Schmerzen im Harntrakt, während die Äste, die stark antiseptische Substanzen enthalten, von den Beduinen als natürliche Zahnbürsten (meswak) zur Mundpflege verwendet werden.

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Salvadora persica
Sinai-Kapernstrauch

Sinai-Kapernstrauch

Der Sinai-Kapernstrauch (Capparis sinaica), lokal als Lasaf bekannt, ist eine Kapernart, die in Felsspalten und entlang der Täler wächst. Seine Blütenknospen ähneln den bekannten Kapern aus dem Mittelmeerraum, sind jedoch größer und rötlich gefärbt. In der traditionellen Medizin werden sie zur Behandlung von Erkältungen verwendet. Geschmacklich erinnern sie an Guave, eine tropische Frucht mit süßlich-aromatischer, leicht säuerlicher Note.

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Spinnenblume

Die Spinnenblume (Cleome droserifolia) sieht kurios aus – sie ist vollständig mit Drüsenhaaren bedeckt, die besonders an den Blättern auffallen und wie kleine Tentakel wirken. Lokal als al-Samwa bekannt, gehört sie zu den beliebtesten Kräutern in ganz Ägypten.

Da die Pflanze stark aromatisch (harzig-krautig) riecht, werden aus ihr traditionell sowohl parfümartige Duftzubereitungen als auch Mundwasser hergestellt. Frische Blätter und Triebe schmecken jedoch stark bitter.

Die an der Luft getrockneten Blätter werden nachweislich gegen Schmerzen im Harntrakt (Nierensteine) und zu hohen Blutzucker (Diabetes) eingesetzt. Studien zeigen zudem, dass eine äußerlich aufgetragene Paste aus dem Blattpulver bei Wunden und Dermatitis eine deutlich antimikrobielle Wirkung entfaltet.

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Spinnenblume
Limonium axillare

Strand- und Dünenpflanzen

Atriplex farinosa

Auf einigen Abschnitten der Küste und insbesondere auf der Insel Wadi el Gemal ist Atriplex farinosa weit verbreitet. Der Strauch hat sehr tiefe Wurzeln, die den sandigen Untergrund festigen und so verhindern, dass Wind oder Wasser ihn abtragen.

Die Pflanze ist an salzhaltige Böden und trockene Bedingungen bestens angepasst. Sie speichert Wasser in ihren Blättern und kann überschüssiges Salz aufnehmen, wodurch sie auch in extremer Umgebung überlebt.

Limonium axillare

Diese salzliebende Pflanze, lokal als Shalili bekannt, ist entlang der Küste des Nationalparks reichlich vertreten. Ihre Blüten sind auffällig rosapurpurfarben. Die Hauptblütezeit liegt im Frühjahr von April bis Mai; wir haben aber auch im November einige blühende Exemplare entdeckt.

Ein aus der Wurzelrinde hergestellter Sud wird in der lokalen Bevölkerung zur Behandlung von Diabetes verwendet. In anderen Regionen schätzt man die Pflanze wegen ihrer keimhemmenden Eigenschaften und nutzt sie bei Wunden und Entzündungen.

Zyghophyllum

Arten der Gattung Zygophyllum sind typische Pflanzen der Wüsten und Halbwüsten. Sie kommen in sandigen, felsigen oder salzhaltigen Lebensräumen vor und sind gut an die Trockenheit angepasst. Je nach Art wachsen sie als niedrige Halbsträucher oder als einjährige, bodennahe Kräuter. Charakteristisch sind ihre fleischigen, sukkulenten Blätter, die Wasser speichern können.

Die Blüten sind je nach Art weiß oder gelb. Die Blüte setzt in der Regel kurz nach Regenfällen ein und kann sehr reich ausfallen, sodass Zygophyllum-Pflanzen zeitweise die Landschaft prägen. In dieser Phase verwandeln sich ansonsten trockene Täler in ausgedehnte blühende Flächen, die eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten darstellen. Entsprechend weist Honig aus solchen Regionen häufig einen hohen Anteil an Zygophyllum-Pollen auf.

Die Nutzung durch den Menschen variiert je nach Art und Region: Zygophyllum coccineum (lokal Bawwal) wird traditionell gegen Darmparasiten eingesetzt, wirkt harntreibend, lindert Blähungen und besitzt entzündungshemmende Eigenschaften. Wie Zygophyllum album (lokal Bihtinay) kann sie außerdem den Appetit anregen. Zygophyllum simplex (lokal Garmal) dient lokal als Weidepflanze. In anderen Gebieten werden Aufgüsse aus Blättern und Samen zur Behandlung von Augenentzündungen und Linsentrübungen verwendet. Die Samen wirken gegen Darmparasiten und werden von Nomaden auch als Nahrungsmittel genutzt.

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Tamariske

Mitten in der kargen, trockenen Landschaft finden sich einige Tamarisken (Tamarix nilotica), lokal Turfa genannt. Mit ihren feinen, filigranen Zweigen und den zarten, nadelartigen Blättern wirken sie fast zerbrechlich – und doch trotzen sie Sonne, Wind und Dürre mit bemerkenswerter Widerstandskraft.

Tamarisken wachsen sowohl strauchartig als auch als kleine Bäume, oft in Salz- oder Sandböden entlang von Wadis und Küstenbereichen. Ihre tief reichenden Wurzeln ermöglichen es ihnen, selbst in den trockensten Perioden Wasser aus dem Untergrund zu ziehen, während die Pflanzen gleichzeitig den Boden stabilisieren und so Erosion verhindern. Wer genau hinsieht, erkennt die kleinen, rosa-weißen Blüten, die wie winzige Federbüschel an den Zweigen hängen.

Die Pflanze bietet Nahrung und Schutz für zahlreiche Wüstentiere. Vögel nutzen die dichten Zweige als Nistplatz, während kleinere Säugetiere und Insekten in ihrem Schatten Schutz vor der sengenden Sonne finden. Für die Beduinen vor Ort ist die Turfa ein wertvolles Brennholz und in manchen Regionen auch Futter für Ziegen und Dromedare. Ihre Blätter helfen bei Hämorrhoiden.

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Niedrige, strauchartige Tamarisken
Wüstendattel (Balanites aegyptiaca) im Wadi el Gemal in der ägyptischen Wüste, einzelner Baum in trockener, steiniger Landschaft
Wüstendattel

Wüstendattel

Ein weiteres typisches und weit verbreitetes Gewächs ist die Wüstendattel (Balanites aegyptiaca), lokal als Lalub oder Higlig bekannt. Der immergrüne, dornige Baum erreicht eine Höhe von bis zu acht Metern und wächst häufig auf sandigen und steinigen Böden. Dank seines dichten Laubs spendet er angenehmen Schatten. Die Blätter sind ledrig, die Blüten gelblich bis grün und erscheinen von Mai bis September. Die Früchte erinnern in Form und Aussehen an Datteln; bei Reife färben sie sich gelb. Wir konnten sie direkt vom Baum probieren: Zunächst schmecken sie angenehm süß, doch nach wenigen Sekunden entfaltet sich ein überraschend bitterer Nachgeschmack.

Die Wüstendattel ist für ihre vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten bekannt: Die essbaren Früchte unterstützen traditionell bei der Behandlung von Diabetes. Das Holz ist besonders hart, widerstandsfähig und gut zu bearbeiten; es wird für Kochlöffel, Stößel, Mörser, Griffe und Kamel-Sättel verwendet. Zudem dient es als Brenn- und Bauholz. Die Samen werden in einigen Regionen zermahlen, um Speiseöl zu gewinnen. Die in den Samen und im Fruchtfleisch enthaltenen Saponine verbleiben dabei größtenteils im Pressrückstand. Studien zeigen, dass diese Stoffe unter anderem als natürliches Pestizid und als Mittel gegen Wurmbefall eingesetzt werden können.

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Wüstenmelone

So etwas haben wir in der Wüste nicht erwartet – melonenähnliche Früchte mitten in der kargen Landschaft!

Die Wüstenmelone (Citrullus colocynthis), auch Koloquinte oder Bitterapfel, lokal als Handal bekannt, gehört zu den bekanntesten Heilpflanzen der Region. Ihre Blätter wirken harntreibend, die Wurzeln werden bei Rheuma und Gelenkschmerzen eingesetzt. Die Früchte dienen als Abführmittel und finden zudem Anwendung bei Geschwüren, Asthma und Halskrankheiten. Das Fruchtfleisch wirkt antiepileptisch und hilft bei Magenbeschwerden, und heißer Pflanzensaft wird traditionell zur Behandlung von Hautkrankheiten bei Dromedaren verwendet.

Aus den Samen wird Öl gewonnen, das vor allem medizinisch oder kosmetisch genutzt wird. Die getrockneten Samen und Früchte werden zu Pulver verarbeitet, mit Wasser oder Öl zu einer Paste verrührt und häufig zusammen mit anderen Färbepflanzen auf das Haar aufgetragen, um eine leichte rötlich-braune Färbung zu erzielen.

Obwohl sie heilende Wirkstoffe enthält, gilt die Wüstenmelone als giftig, weil sie Substanzen enthält, die in zu hoher Dosis den Körper schädigen können. Gleichzeitig ist die Pflanze eine beliebte Nahrung für Gazellen, gelegentlich auch für Esel und Dromedare, für die sie ungefährlich ist.

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Wüstenmelone (Citrullus colocynthis) im Wadi el Gemal, Früchte auf trockenem Boden mit sich abblätterndem, rissigem Ton
Wüstenmelone
Zilla spinosa

Zilla spinosa

In hyperariden Regionen wie dem Wadi el Gemal-Nationalpark überleben einige Pflanzen, indem sie an der Basis des Stängels einen kleinen lebenden Teil bewahren, während der übrige Pflanzenkörper während extremer Dürreperioden austrocknet. Nach Regenfällen regeneriert sich die Pflanze aus diesem erhaltenen Abschnitt und sichert so ihr Überleben unter extremen Bedingungen – ein Beispiel dafür ist Zilla spinosa.

Zilla, lokal Bisilla genannt, ist ein ausdauernder, weit verbreiteter Strauch, der in kuppelförmigen Büschen wächst und nach Regenfällen mehrere Jahre grün bleiben kann. Gleichzeitig erscheinen die rosa-violetten, bisweilen blass malvenfarbenen Blüten. Die Zweige tragen zahlreiche kräftige und lange Dornen, und die Früchte sind nussartig geformt.

Zilla und Akazie gelten als die wichtigsten Weidepflanzen der Region und dienen zugleich als Nahrungsquelle für Wildtiere wie Gazellen, Kaninchen und den Nubischen Steinbock. In trockenem Zustand wird die Pflanze als Brennholz genutzt. Sie findet auch medizinische Anwendung, insbesondere bei Harnwegserkrankungen.

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